Neues vom Regenmantel: Die Richtige sieht mich nicht

Was sehen meine tausend Gänseblümchen denn da hinten? Wenn das nicht die Richtige für mich ist. Aber wo geht sie hin?

„Hey, hier bin ich. Was willst du denn bei den dicken Winterjacken? So kalt ist es doch noch gar nicht. Hey …“

Warum hänge ich bloß hier in der hintersten Ecke. Sie würde so gut zu mir passen. Und ihre Hose erst. Okay, das Blau ist etwas hell im Vergleich zu meinem und die Beine sind ganz schön weit und vielleicht etwas kurz. Aber diese Blümchen. Die sehen genauso aus wie meine. Viele kleine weiße Blütenblätter und in der Mitte ein gelber Punkt. Verteilt über die ganze Hose.

Wenn sie solche Hosen trägt, dann doch wohl auch mich. Aber wo ist sie hin? Weder bei den Winter- noch bei den Sommerjacken kann ich sie entdecken. Und schon gar nicht bei mir. Das gibt es doch nicht. Nun finde ich schon mal die Richtige und dann sieht sie mich einfach nicht. Ich werde hier wohl doch noch ewig rumhängen und dann im dunklen Lager versauern.


Noch mehr vom Regenmantel

Es ist erstaunlich, was ein Regenmantel auf der Suche nach der richtigen Trägerin erleben kann. Ihr seid neugierig geworden? Dann klickt und lest euch durch seine Kurz-Geschichten:

Neues vom Regenmantel: Niemand findet mich

Puh, so langsam könnte mal wieder eine vorbei kommen. Und sei es nur zum Anprobieren und Weghängen. Dass die Verkäuferinnen mich aber auch in die hinterste Ecke gehängt haben. Nicht mal richtig hell ist es hier. Die Scheinwerfer strahlen links und rechts von mir und über mir. Als ob die unifarbenen, kastenförmigen Regenjacken so viel toller sind.

Ich dagegen strahle mit meinen vielen kleinen Gänseblümchen auf dunklem Blau. Ein Zugband in der Taille, um der Trägerin die reizende Sanduhrform zu verpassen. Und meine Kapuze nicht zu vergessen. Für alle Wetter gewappnet. Von Kopf bis Oberschenkel bleibt alles trocken. Versprochen.

Doch so weit komme ich ja gar nicht. Stattdessen versauere ich in dieser dunklen Ladenecke. Und wenn mich doch mal eine findet, geht sie schnell an mir vorbei und greift zu einer dieser unifarbenen Jacken.

Wenn das so weiter geht, werden sie mich ins Lager verbannen. Da findet mich dann wirklich niemand mehr. Als sie mich auspackten, konnte ich einen Blick hineinwerfen. Dort ist es stockfinster und lauter Kartons stehen da im Weg. Und die Klamotten hängen dicht an dicht gepresst auf Stangen. Nein, so möchte ich nicht enden. Platt gedrückt zwischen ollem Pelzmantel und schnöder Jeansjacke? Nein, nein, nein!


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Der Regenmantel

Nun häng ich hier tagein tagaus auf diesem blöden Bügel und die Richtige kommt einfach nicht vorbei. Entweder sind sie zu dick, oder zu dünn, oder zu klein, oder zu steif. Apropos, da fallen mir die zwei von gestern wieder ein.

Zwei Freundinnen. Die Blonde fand mich toll mit meinen ganzen Blümchen, wollte mich aber gar nicht anprobieren. Stattdessen drängte sie ihre rothaarige Freundin, mich anzuziehen. Von wegen ich passe so gut zu ihren Haaren. Die andere hat nur ihre Nase gerümpft. Nachdem die Blonde noch eine Weile rumgebettelt hat, nahm mich die Rothaarige dann doch vom Bügel. Allerdings nur mit den Fingerspitzen. Und wie angewidert die geguckt hat. Mich hat natürlich niemand gefragt. Da hab ich mich extraschwer gemacht, damit ich wie ein nasser Sack an ihr herunter hänge. Nicht, dass ich doch noch aus Versehen gut an ihr aussehe. Zum Glück hat sie mich dann auch wieder zurückgehängt.

Ah, da ist meine nächste potenzielle Besitzerin. Freundlich und nett sieht sie ja schon mal aus. Prima, sie kommt dichter … Oh nein, das wird doch nichts … Nimm lieber eine Nummer größer, Mädchen. Ich verzichte freiwillig! Oh nein, willst du uns das wirklich antun? Das kann nicht gut gehen …
Nein, Mädchen, den Reißverschluss lassen wir schön offen. Guck, der Spiegel sagt auch, dass du mir nicht passt. Genau, zieh mich wieder aus, häng mich hin und geh weiter. Es gibt bestimmt irgendwo eine, die dir besser passt – und mir auch!


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Ich kannte mal eine, die wohnte …

… unterm Fliegenpilz. Ihre Zipfelmütze streichelte mit jedem Gang die Lamellen. Ging sie links um den Stiel herum, ertönten helle Klänge, rechts herum die tiefen. Außen Dur, innen Moll. Vor, zurück, zur Seite, ran. Mal schnell, mal langsam. Mal laut, mal leise. Mit einem Hüpfer ertönte ein Gong. Und schlief sie nachts lang ausgestreckt unter dem großen roten Hut, pfiff über ihrem leisen Schnarchen ein zartes Windspiel durch die Lamellen.

Und dann öffne ich die Tür und …

… es bleibt stockfinster. In meine Nase kriecht ein Hauch von feuchtem Waldgeruch. Will ich wirklich durch diese Tür gehen? Was erwartet mich außer Dunkelheit und Finsternis?

Ich kneife die Augen zusammen in der Hoffnung, den Ausgang zu entdecken. Ist da hinten links ein Licht? Da leuchtet doch etwas, oder? Wie ein Stern am Nachthimmel.

Zögerlich setze ich meinen Fuß in den Raum. Da ist keine Fliese oder Parkett oder Laminat. Es fühlt sich weich an, als würde ich im Wald auf Moos laufen. Moos? Wirklich? Allein die Vorstellung wäre schon cool … aber kann das wirklich sein?

Langsam gehe ich in die Hocke. Ich strecke meine rechte Hand aus, spreize die Finger, mache sie so steif es geht. Ich komme dem Boden immer näher und näher, bis ich auf Widerstand stoße. Sind das Grashalme? Dicht an dicht? Alle gleich lang als würde hier regelmäßig ein Mähroboter seine Bahnen ziehen?

Mit Daumen und Zeigefinger greife ich einen Halm und fahre von unten nach oben an ihm entlang. Er ist kaum dicker als ein Haar. Gras ist es dann wohl nicht. Am obersten Ende stocke ich. Da ist eine Verdickung. Im Vergleich zum Halm ganz schön dick. Und trotzdem irgendwie weich. Ich reibe es sanft zwischen Daumen und Zeigefinger. Es fühlt sich oval an. Vielleicht die Frucht eines Springkrauts? Nein, dafür ist es viel zu kurz. Und der Halm viel zu dünn.

Warum nur ist es so stockfinster? Ich kneife meine Augen erneut zusammen, in der Hoffnung doch etwas erkennen zu können. Doch das zarte Licht am anderen Ende des Raumes reicht nicht aus. Es bleibt schwarz zwischen meinen Fingern.

Ich streiche noch einmal mit der ganzen Hand über die dünnen Halme mit ihren Knospen. Hin und her und … eine Knospe verfängt sich an meinem Ring. Ich reiße sie ab. Ein Funke. Ein lauter Knall. Für einen Bruchteil einer Sekunde ist alles hell erleuchtet. Vor mir erstrahlt ein ewiges Moosfeld, während ich mit dem Rücken voran durch die Luft schleudere. Ein dumpfer Aufprall. Erst mein Rücken, dann mein Kopf. Dann ist es wieder dunkel. Und bleibt dunkel.