Eigene Entscheidungen zu treffen, ist kompliziert

Bisher habe ich sehr vieles einfach so bekommen. Ich musste es vorher gar nicht gewollt haben. Es kam einfach. Der Job nach dem Studium. Geld im Sparschwein. Ich musste mich nicht groß anstrengen. Habe aber auch nicht geprüft, ob ich es wirklich will. Es war meist der einfache Weg.
Mutti und Papa schicken mich aufs Gymnasium. Okay. Dann zieh ich das bis zum Ende durch. Nach dem Abi studiert man. Okay. Dann suche ich mir einen Studienplatz. Ich lerne meinen jetzigen Mann im Mensa-Club kennen, es macht wusch, wir ziehen zusammen, wir bleiben zusammen.

Warum den komplizierten Weg gehen? Warum darüber nachdenken, was man wirklich will? Dann könnte ich ja feststellen, dass ich mich eigentlich anders entscheiden müsste. Ich könnte feststellen, dass ich mich in der Vergangenheit falsch entschieden habe. Dass ich das alles eigentlich gar nicht wollte.

«Entscheiden» beinhaltet «scheiden». Sich von etwas scheiden, trennen. Entscheiden heißt auch immer Nein sagen zu etwas. Aber auch ja zu etwas anderem. Nein zum schwierigen, unangenehmen Weg. Ja zum einfachen Weg. Warum auch nicht? Aber gehe ich mir damit selbst aus dem Weg? Verdränge ich dadurch meine eigenen Wünsche? Höre ich damit nur auf die Vorstellungen der anderen? Möchte ich das wirklich? Bleibe ich dadurch immer Kind, weil ich selten selbst für mich entscheide?

Der Masse folgen. Ohne nachzudenken. Geschehen im Dritten Reich. Geschieht auch jetzt noch in der breiten Masse der Bevölkerung. Wir folgen dem Fernsehprogramm, den Streaming-Diensten, den Social Medias, den Nachrichten. Wer prüft das Gelesene, Gehörte noch, wenn die breite Masse dahintersteht? Wer sucht nach gegenteiligen Meinungen? Wer geht in sich und prüft, wie er:sie dazu wirklich steht?

Vor der letzten Bundestagswahl beantwortete ich die Fragen des Wahl-O-Mat. Ergebnis: Die größte Übereinstimmung mit den großen Parteien des Bundestages fand sich gar nicht (mehr) bei den Grünen, wie ich vermutet hatte. Es war Die Linke. Und beim Lesen ihrer Antworten musste ich feststellen: stimmt offensichtlich. Dabei haben die Linken in der breiten Öffentlichkeit immer etwas Negatives an sich. Ich kam vorher gar nicht auf den Gedanken, sie zu wählen. Getan habe ich es diesmal dann doch nicht. Es gab eine andere Partei, mit der ich noch mehr übereinstimmte. Zwar klein und für den Ausgang der Wahl unbedeutend. Für mein Gewissen aber entscheidend. Denn ich habe mich mit den Inhalten befasst und eine bewusste Entscheidung getroffen.

Zurück zum einfachen vs. komplizierten Weg. Kann der einfache Weg glücklich machen? Ist der komplizierte Weg wirklich kompliziert? Oder fühlt er sich nur so an, weil ich mich mehr mit mir selbst beschäftige? Weil ich mir überlege, was ich wirklich will? Weil ich meine Entscheidungen überdenke. Prüfe, ob sie wirklich meine sind? Und wird der komplizierte Weg irgendwann zum einfachen Weg? Wenn ich nur noch meinen Wünschen folge. Wenn ich ich bin. Wenn meine Entscheidungen eins mit mir sind?

Die Energie geht dorthin, wo die Aufmerksamkeit ist. Oder umgekehrt? Egal. Es macht am Ende keinen Unterschied, oder?

Aufmerksamkeit → Energie. Gerade als Scanner / Multitalent / … muss nur irgendwo etwas meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und meine Energie folgt ihr. Das kann ein lautes Hupen auf der Straße sein oder eine spannende Überschrift in der Zeitung. Die Entscheidung treffe ich allerdings nicht bewusst.

Energie → Aufmerksamkeit. Hier entscheide ich mich bewusst, wohin ich meine Energie und folglich meine Aufmerksamkeit hinlenke. Ich möchte mehr Sport treiben, also suche ich mir einen Kurs, eine App, gehe laufen, etc. Ich möchte mich gesünder ernähren, also suche ich entsprechende Rezepte und achte darauf, wie mein Körper auf welche Lebensmittel reagiert.

Wenn ich mir nun also den scheinbar einfachen Weg genauer ansehe, bin ich sehr oft im «unbewussten» Fall «Aufmerksamkeit → Energie». Ich folge den äußeren Einflüssen, ohne groß darüber nachzudenken. Getrieben vom Außen. Abgelenkt vom Innen. Mit jedem Plop stelle ich mich aufrecht wie ein Erdmännchen hin und schaue, wo es herkommt. Was ich gerade dachte, verdrängt. Vielleicht ploppt es später noch einmal auf. Für den Moment ist es aber verloren. Und so vergeht Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Gefangen im Außen.

Die Erkenntnis allein, dass es auch andersherum funktioniert, dass man sich bewusst entscheiden kann, wohin die eigene Aufmerksamkeit fließt, ist ein erster Anstoß, sich zu lösen. Doch meist reicht dies nicht aus, sich aus dem Außen zu lösen und jeden Tag aufs Neue bewusste Entscheidungen zu treffen. Ganz im Gegenteil steht erstmal alles auf dem Kopf. Welche meiner Entscheidungen war wirklich meine? Wer bin ich wirklich? Wer möchte ich sein? Mache ich dies oder jenes, weil ich es möchte oder hat mich jemand anderes dazu gebracht? Kann ich mir selbst noch trauen?

Es folgt ein steiniger Weg mit Aufs und Abs und Kurven. Mit selbstbewussten eigenen Entscheidungen. Mit Rückfällen wie bei jeder Diät, weil es doch einfacher ist, und der nachfolgenden Erkenntnis, dass es einen nicht weitergebracht hat. Mit jedem Tag und jeder Entscheidung lernt man sich selbst kennen.

Wo ich mich gerade befinde? Irgendwo auf dem steinigen Weg. Nicht ganz am Anfang, aber auch noch nicht am Ende. Vielleicht kurz vor einer Kurve auf halber Höhe vom Berg. Ob es der richtige Berg ist? Mal sehen. Falls nicht, werde ich ihn irgendwann finden.

Sichtbarkeit vs. weiblicher Zyklus

Mein ewiges Problem: Sichtbar für andere sein. Mich anderen zeigen. So wie ich bin. Das, was ich denke. Mein Innerstes. Mein Können. Meine Fähigkeiten. Warum? Wer weiß, vielleicht wurde es mir in die Wiege gelegt, vielleicht habe ich es mit der Zeit gelernt. Doch was heißt es überhaupt, sichtbar zu sein? Und wie viel und was muss ich von mir zeigen, um sichtbar zu sein? Und was hat mein Zyklus damit zu tun?

Wann bin ich bereit etwas und / oder mich zu zeigen?

Bevor ich nach außen sichtbar werde, halte ich mich lieber brav im Hintergrund. Arbeite für mich. Denke mir schöne Sachen für andere aus. Zeige kaum etwas, bevor ich nicht fertig bin – dabei ist „fertig“ relativ. Es gibt immer etwas zu verbessern. Eine Nacht drüber geschlafen und schon habe ich eine noch bessere Lösung gefunden – oder manchmal auch das Interesse verloren. Wem nützt es also, wenn ich „unfertige“ Zwischenstände zeige? Es handelt sich ja doch immer nur um eine Momentaufnahme, die kurze Zeit später nicht mehr existiert.

Ab und zu kommt es vor, dass ich über meinen Schatten springe. Durch einen meist von außen gesetzten Termin zwinge ich mich selbst etwas fertigzustellen und sichtbar zu machen. Dieses Jahr im November waren es gleich zwei Projekte: ein Adventskalender, der sich in ein Buch verwandelt, und eine Geburtstagszeitung zum Sechzigsten meiner Mutti. Ein großes und ein kleines Projekt. In beiden Fällen froh, dass sie einen Abschluss gefunden haben. In beiden Fällen das Wissen, dass sie noch besser hätten sein können. In beiden Fällen dennoch mehr als ausreichend Lob von denen bekommen, die es gesehen haben.

Und doch hielt mich innerlich etwas zurück, mit beidem stolz nach draußen zu gehen. Sie sichtbar zu machen und damit auch meine Fähigkeiten und mich selbst sichtbar zu machen. Denn in allem, was wir herstellen, produzieren, kreieren und nach außen geben stecken wir selbst. Unser Innerstes. Unsere Gefühle. Unsere Zweifel. Unser Mut. Unsere Ängste.

Der ewige Vergleich mit anderen

Schon im Deutschunterricht lernten wir, dass hinter jedem Gedicht, hinter jedem Wort eine Absicht steckt. Wir lernten zu interpretieren. Man schreibt nicht einfach nur so. Was steckt wirklich hinter den Worten? In der Kunst malt man nicht einfach so ein Bild. Jeder Maler hat sich etwas bei seinem Gemälde gedacht. Jeder Pinselstrich hat doch bestimmt eine Bedeutung. Und in der Musik wird jeder Text eines Singer-Song-Writers analysiert. Wo sind die Parallelen zu seinem echten Leben? Hat er wirklich das getan, was er in Zeile X besingt? Warum will man dies alles wissen?

Der Mensch ist neugierig. Er ist selten mit dem eigenen Leben rundum zufrieden. Er hofft, in den Geschichten anderer eine Lösung für sich selbst zu finden. Ein besseres Ende für sich. Und manchmal bemerkt er, dass es ihm bereits besser geht als seinem Gegenüber.

Wir stehen im ständigen Vergleich mit unseren Mitmenschen. Jede Aktion wird ganz automatisch bewertet. Denn immer gibt es jemanden, der das, was wir zeigen, schlecht findet. Der mit unserer Ansicht des Lebens nicht übereinstimmt. Wie sollen wir unter diesen Umständen uns selbst und unsere Fähigkeiten unbekümmert zeigen?

Vielleicht reicht es, sich auf diejenigen zu konzentrieren, die mit uns auf einer Wellenlänge sind? Diejenigen, die den gleichen Werten folgen? Alle anderen auszublenden? So, als gäbe es sie gar nicht? Dann bekommen wir selbst keine schlechte Kritik, sondern nur Zuneigung. Allerdings hinterfragen wir uns selbst dann auch nicht. Wir stecken in einer Blase fest. Bekommen keine herausfordernden Denkanstöße. Können uns nicht weiterentwickeln. Bleiben auf der Stelle stehen.

Mit Gefühl und Agilität in die Sichtbarkeit

Hmm, gar nicht so einfach diese Sichtbarkeit. Wie wäre es also, wenn wir einen agilen Ansatz wählen?  Erst zeigen wir uns einem uns wohlgesonnenen Umfeld, um Vertrauen in uns und unsere Fähigkeiten aufzubauen. Irgendwann wird es dann Zeit, diese Blase zu verlassen.  Um zu wachsen. Um neue Fähigkeiten zu lernen. Um uns weiterzuentwickeln.

In der Theorie klingt alles nachvollziehbar. Der Verstand kann folgen. Doch ohne das Herz zu berühren, kann der Kopf noch so viel verstehen. Es bleibt beim ewigen Wunsch nach Sichtbarkeit. Man folgt den großen Vorbildern. Macht es genau nach Anleitung. Drei bis fünf Instagram-Posts pro Woche. Stories natürlich nicht vergessen. Zeig dich auf mehreren Kanälen. Aber bloß nicht überall mit den gleichen Inhalten. Plane im Voraus. Erstelle ansprechende Grafiken. Mache Selfies. Biete Mehrwert. Am besten alles auf einmal. Und schon ist der Krampf da und das Gefühl jenseits von Gut und Böse.

Prüfe regelmäßig, wie wohl du dich mit deiner Sichtbarkeit fühlst

Ich verstehe, dass es wichtig ist, die Theorie zu verstehen. Denn nur wenn ich weiß, welche Möglichkeiten es gibt, kann ich die für mich passenden auswählen. Deswegen halte immer wieder inne und prüfe, welche Wege in die Sichtbarkeit sich für dich gut anfühlen. Teste dich aus und habe gleichzeitig den Mut, Kanäle wieder fallen zu lassen, wenn du merkst, dass du (noch) nicht wohl mit ihnen fühlst. Konzentriere dich auf das, was dir Spaß macht, was dir leicht von der Hand geht.

In der agilen Softwareentwicklung wird nach jedem Sprint (= zwei bis vier Wochen) in der sogenannten Retrospektive reflektiert, wo man gerade steht. Was ist gut gelaufen, welche Abläufe können verbessert werden. Mehr und mehr hält dieses Vorgehen auch in anderen Bereichen Einzug. Gerade für uns hochsensible Multitalente auf dem Weg in ein freibestimmtes Leben eine gute Möglichkeit, sich selbst regelmäßig neu zu sortieren – auch in Sachen Sichtbarkeit.

Was der weibliche Zyklus mit Sichtbarkeit zu tun hat

Seit einiger Zeit beobachte ich mich selbst während meines Zyklus. So ziehe ich mich in den Tagen vor den Tagen automatisch ein wenig zurück. Bin schnell angreifbar für Kritik. Brauche es gemütlich. Für mich die beste Zeit, zu reflektieren. Was immer dabei hilft: Journaling und Waldspaziergänge. So können die Gedanken fließen und Platz für Neues machen.

Spätestens am dritten Tag des neuen Zyklus zieht es mich hingegen automatisch nach draußen. Ich bin bereit, mich wieder der Außenwelt zu zeigen. Lasse unbekümmerter andere an meinem Leben teilhaben.

Warum ist der weibliche Zyklus nicht im Berufsalltag sichtbar?

Im alltäglichen Berufsleben – egal ob offline oder online – ist der weibliche Zyklus ein Tabuthema. Kaum eine spricht darüber, in welcher Phase sie sich gerade befindet oder ob sie schon in den Wechseljahren ist oder diese bereits hinter sich gelassen hat. Offline kann man es manchmal vielleicht erahnen. Online nicht mal das.

Man sieht sich gerade auf Social Media meistens gut gelaunt mehrmals die Woche. Möchte man professionell wirken, produziert man die Posts für schwache Phasen vor. Hauptsache man bzw. frau ist regelmäßig sichtbar. Bloß keine Schwäche zeigen.

Doch wofür das Ganze? Warum kann man nicht einfach sagen, wie es ist, und auch mal eine Woche im Monat ruhiger machen? Warum kämpfen wir Frauen kämpfen gegen unseren Zyklus an? Warum haben wir das Gefühl, dass wir uns gerade in ruhigen Zeiten öfter zeigen müssen? Warum machen wir uns selbst so einen Druck?

Fazit

Wie viel leichter wäre es, mit unserem Zyklus zu leben? Das Auf und Ab, das er natürlicherweise mit sich bringt, auch nach außen sichtbar zu machen. Unsere Umwelt daran teilhaben zu lassen. In „Die 7 Geheimnisse der Schildkröte“ von Aljoscha Long und Ronald Schweppe ist so schön beschrieben, dass die Schildkröte Kurma nur mit der Wellenbewegung Schwimmzüge macht und sich in der Rückbewegung einer Welle treiben lässt. Warum also immer und jederzeit sichtbar sein, wenn es kräftesparender im Einklang mit dem Zyklus geht?

Den Fokus wiederfinden und im Blick behalten

Auf der Suche nach dem Fokus: Maria steht im Wald und schaut suchend nach links

Manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. 100000 Ideen kreisen im Kopf. TODO-Listen entwickeln ihr Eigenleben. Was ist jetzt wichtiger? Die Adventskalendergeschichte fertig schreiben? Ideen für Illustrationen sammeln? Endlich eine Druckerei finden? Auf der anderen Seite möchte dieser Blog mit Leben gefüllt werden. Dazu gehört dann auch die Weiterverbreitung auf Social Media. Und dann ist da noch der sechzigste Geburtstag meiner Mutti in weniger als zwei Monaten. Mein Papa hat zu seinem Sechzigsten eine Geburtstagszeitung im Stil der SuperIllu bekommen. Das wollte ich jetzt eigentlich auch machen, nur auf Basis einer anderen Zeitschrift. Aber schaffe ich das alles? Bekomme ich alles unter einen Hut? Dazu der sträflich vernachlässigte Haushalt. HILFE!!! Wo fange ich an? Wie finde ich meinen Fokus wieder?

Zeitplan: Den Fokus wiederfinden

Bei so viel Wirrwarr im Kopf hilft nur eins: alle angefangenen Projekte bei Seite schieben, ein großes weißes, leeres Blatt ausbreiten – in meinem Fall eine übrig gebliebene Tapetenrolle – und einen Stift in die Hand nehmen. Die erste Linie wird ein Zeitstrahl. Von heute bis Mitte Dezember. Insgesamt drei Monate. Es folgt die Wocheneinteilung. Dazu das Datum. Das Grundgerüst steht.

Welche Termine stehen in diesem Zeitraum an? Advent, Muttis Geburtstag, die Online-Buchmesse. Ich trage alles ein, damit ich von hier aus rückwärst planen kann. Was muss wann fertig sein?

Wenn ich Brunos Abenteuer dieses Jahr wirklich noch als Adventskalender in den Händen halten möchte, muss er Ende Oktober fertig produziert sein. Entsprechend müssen Anfang Oktober die Geschichte und Illustrationen fertig sein. Parallel natürlich das Marketing nicht vergessen. Sportlich, aber noch machbar.

Für Muttis Geburtstagszeitung greife ich wohl lieber auf das SuperIllu-Layout zurück. Das ist vorhanden und spart somit einiges an Zeit. Für den Inhalt spanne ich einfach die Familie mehr ein. Die hatten letztes Mal auch schon so tolle Ideen. Und ich muss ja nicht alles alleine machen 😉

Bleibt dieser Blog. Jede Woche ein neuer Artikel? Ohne den „Gruppenzwang“ von The Blog Bang angeboten von Judith „Sympatexter“ Peters? Das wird bestimmt nicht einfach. Ein Thema zu finden, wird wohl weniger das Problem. Aber finde ich dann noch die Zeit zum Schreiben? Die Gefahr besteht, dass dieser Teil als erstes unter den Tisch fällt. Also vielleicht lieber gleich nur alle zwei Wochen bloggen. Und wenn es doch mehr wird, freuen wir uns einfach 🙂

Meine Planung für die nächsten drei Monate

Sprint-Planning: Den Fokus im Blick behalten

Okay, der Zeitplan steht, aber wie behalte ich ihn für die nächsten Wochen und Monate im Blick? Was kann ich tun, damit ich nicht wieder vom Weg abkomme? Ein Workflow muss her! Wie gut, dass ich in meiner dreizehnjährigen Tätigkeit als Softwareentwicklerin gelernt habe, agil zu planen. Also schnell ein Konto in Jira eingerichtet, ein Projekt angelegt und alle Aufgaben und TODOs, die sich aus dem Zeitplan ergeben haben, in 1-Wochen-Sprints eintragen.

Ab sofort wird Dienstag zu meinem Sprint-Planning-Tag:

  • Welche Aufgaben habe ich in der letzten Woche geschafft?
  • Welche Aufgaben sind übrig geblieben und müssen in die nächste Woche bzw. in den nächsten Sprint wandern?
  • Welche Aufgaben sind überflüssig geworden und können ganz gelöscht werden?
  • Welche Aufgaben müssen unbedingt in der nächsten Woche erledigt werden?

Alle zwei und vier Wochen gehe ich zusätzlich in die Tiefe und werte meine Blog- und Social-Media-Statistiken aus. So bekomme ich in einer Art Retrospektive ein Gefühl, was funktioniert hat und was nicht. An welchen Stellen muss ich gegensteuern, nachbessern, um meine Ziele zu erreichen.

Endlich wieder ein Plan! Endlich wieder Fokus! Die nächsten drei Monate können kommen 🙂

Wie behaltet ihr euren Fokus? Welche Routinen, Workflows und Prozesse verwendet ihr, um eure Ziele zu erreichen? Teilt es mir gerne in den Kommentaren mit.

Warum ich es liebe, eine neue Idee zu entwickeln

Ideensammlung zu einer Geschichte: viele Zettel mit Text und Skizzen neben- und übereinander auf dem Fußboden

Eine neue Idee zu entwickeln braucht Zeit. Es startet mit einem kleinen Gedanken und endet hoffentlich mit etwas ganz Großem. Dabei hat jede Phase der Entwicklung ihren eigenen Reiz.

Phase 1: Die Idee startet im Kopf

Es startet scheinbar unbedeutend. Hier ein buntes Puzzleteil. Da ein Weiteres. Eine Woche später noch eines. Irgendwann macht es Klick: Die Teile gehören zusammen. Euphorie! Adrenalin! Ein Kribbeln! Im Kopf entsteht eine neue Idee. Sie drängt regelrecht nach draußen. Da spielt die Tageszeit keine Rolle. Morgens nach dem Aufwachen muss dann eben das Frühstück warten oder abends der Schlaf. Die Idee will, muss, darf raus. Sie möchte entwickelt werden!

Phase 2: Die Idee wird das erste Mal sichtbar

Kugelschreiber und Papier reichen meist aus, um die ersten Gedanken festzuhalten. Eine Skizze hier, ein paar Stichpunkte da, fertig. Innerhalb kürzester Zeit wird die Idee sichtbar. Der Anfang ist gemacht. Der Grundstein, die Basis für alles Weitere gelegt.

Phase 3: Die Idee wächst

Oftmals legt die Idee an dieser Stelle eine Pause ein. Es reicht, sie für den Moment festzuhalten, für später aufzubewahren. Sie darf sich nun ins Unterbewusstsein zurückziehen. Darf im Hintergrund weitere Puzzleteile sammeln. Bis es wieder Zeit ist, sich zu zeigen. Und keine Angst, dieser Zeitpunkt wird kommen. Schließlich möchte die Idee wachsen und weiterentwickelt werden. Und ich möchte ihr dabei zusehen.

Mit jedem Mal wird sie für mich anschaulicher, größer, greifbarer. Was als bloßer Gedanke nebenbei begann, entwickelt sich in meinem Kopf und auf dem Papier langsam zu etwas Großem. Ich bin überzeugt, dass es gut wird. Dass sich andere genauso darüber freuen wie ich.

Phase 4: Die Idee mit anderen Teilen

Die richtig guten Ideen bringen die Augen meines Gegenübers zum Leuchten und seinen Mund zum Lächeln. Dann weiß ich, ich bin auf dem richtig Weg. Wir kommen in den Austausch. Gemeinsam entwickeln wir die Idee weiter. Ein Tipp hier, ein Vorschlag da und schon ist die Idee wieder ein Stück größer geworden. Einer Umsetzung steht nichts mehr im Wege.

Manchmal Phase 5: Die Idee fallen lassen

Jedoch wird nicht jede Idee etwas ganz Großes. Bei einigen folgt auch die Erkenntnis, dass sie für den Moment schön zu entwickeln war, aber mehr auch nicht. Beim Teilen mit anderen gibt es keine Resonanz. Neue Puzzleteile sind nicht in Sicht. Die Idee wächst einfach nicht. Eine Umsetzung ist für den Moment ausgeschlossen. Die Idee muss fallen gelassen werden. Aber auch das hat etwas Gutes. Der Kopf ist wieder frei. Der Gedankenstau ist aufgelöst. Die nächste große Idee kann kommen.

Meine 5 besten Tipps mit Unterbrechungen umzugehen

Gerade habe ich es mir auf der Dachterrasse gemütlich gemacht und möchte mit einem Brainstorming zu diesem Blogartikel anfangen. Thema: Meine 5 besten Tipps. Doch wozu? Mein Projektbuch liegt aufgeschlagen vor mir. Der Stift liegt schreibbereit in meiner Hand. Der erste Gedanke formt sich. Der Stift berührt das Papier. Das Telefon klingelt.

NEIN!

Mein Blick wechselt zwischen Projektbuch und Telefon hin und her. Soll ich wirklich rangehen? Habe ich es vielleicht einfach nicht gehört? Schaffe ich, es zu ignorieren? Nein, die Neugier siegt.

„Maria, kannst du mir helfen?“

Okay, der Moment ist endgültig vorbei. An Brainstormen ist nicht mehr zudenken. Eine andere Aufgabe ruft. Der Blogartikel muss warten.

Doch noch während ich an anderer Stelle helfe, formen sich die Gedanken. Ungeplante Unterbrechungen. Wie gehe ich damit um? Wie bleibe ich trotzdem fokussiert? Wie steige ich danach wieder ein?

Tipp 1: Akzeptiere die Unterbrechung

Manchmal sind andere Dinge einfach wichtiger oder dringender. Da hilft es auch nicht, sich krampfhaft an seinem Plan festzukrallen. Atme stattdessen lieber einmal tief durch und akzeptiere die Unterbrechung.

Tipp 2: Nimm dir Zeit für den Übergang

Mit jeder Unterbrechung findet ein Identitätswechsel statt. In meinem Fall von Bloggerin zu Helferin. Zwei grundverschiedene Aufgaben, die jeweils unterschiedliche Herausforderungen haben. Bevor du also auf Kommando alles stehen und liegen lässt, nimm dir Zeit, deine bisherige Aufgabe abzuschließen. Wo warst du gerade? Was sind die nächsten Schritte? Mach dir kurze Notizen, damit dir der Weidereinstieg zu späterer Zeit leichter fällt.

Und bevor es mit der neuen Aufgabe, der nächsten Identität weitergeht, noch einmal durchatmen und auch hier gedanklich darauf vorbereiten.

Tipp 3: Nutze die Unterbrechung für dich

Gerade wenn man sich am Anfang einer neuen Idee befindet, kann eine Unterbrechung auch helfen. Während die aktuelle Aufgabe eine komplett andere ist, arbeitet das Unterbewusstsein trotzdem an der neuen Idee. Hier und da kommt ein neuer Gedanke hinzu. Andere lösen sich auf. Das anfängliche Knäuel beginnt sich langsam zu entwirren. Und alles ohne aktiv darüber zu grübeln.

Tipp 4: Lass die Gedanken nach der Unterbrechung fließen

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da haben sich die Gedanken sortiert. Das kann nach einer halben Stunden sein, nach einem Tag, nach einer Woche. Es ist nun kein großes Brainstormen mehr nötig. Dein Unterbewusstsein hat diese Aufgabe während der Unterbrechung(en) für dich übernommen. Nimm dir Zeit, diese Gedanken zu (digitalem) Papier zu bringen. Lass es einfach fließen.

Tipp 5: Wähle leicht zugängliche Tools zum Sammeln und Sortieren deiner Gedanken

Damit du jederzeit deine Gedanken fließen lassen kannst, wähle Tools, auf die du jederzeit Zugriff hast. Achte darauf, dass sie zu deinen Themen passen und dir das Arbeiten so leicht wie möglich machen. Dabei sollte jedes Thema in nur einem Tool zu finden sein. So musst du für den Wiedereinstieg nach einer Unterbrechung nur an einem Ort suchen. Bei mir sieht das so aus:

  • Geht es um Ideen für Blogartikel, erstelle ich direkt einen neuen Artikel und speichere diesen als Entwurf. Mit der WordPress-App kann ich jederzeit neue Gedanken auch von unterwegs ergänzen.
  • Ideen für neue (Tier-)Geschichten wie Brunos Abenteuer halte ich in einem Trello-Board fest.
  • Die eigene Familiengeschichte vergrößert sich in meinem persönlichen Confluence-Bereich.
  • Und zu guter letzt steht auf meinem Nachttisch ein Notizzettelblock, auf dem ich die letzten Gedanken vor dem Einschlafen festhalte. Am nächsten Tag verteile ich diese in die entsprechenden Tools.