Eine Libelle. Keine drei Meter von mir entfernt. Sie auf einem Bambusstab, ich auf der Gartenbank. Schon eine ganze Weile. Jede von uns verweilt an ihrem Ort. Ab und an erhebt sie sich in die Lüfte ,um kurz darauf wieder auf einem Quadratmeter Stabquerschnitt zu landen. Mal guckt sie mich an, mal dreht sie mir den Rücken zu, mal zeigt sie sich mir von ihrer linken Seite und mal von ihrer rechten. Auch im rechten Winkel zum Stab kann sie. Dazu die kleinen Punkte am Ende ihrer Flügel.
Ist das nun ein Zeichen? Wahrscheinlich nur, wenn ich es so sehen möchte. Auf https://kathrinsieder.at/krafttier-libelle/ wird sie als Zeichen für einen Richtungswechsel beschrieben. Bin ich im Wechsel? Möchte ich im Wechsel sein? Ist ein Wechsel gar unausweichlich?
Der leichte Wind scheint sie gar nicht zu irritieren. Hält stets das Gleichgewicht auf diesem einen Quadratmeter.
Macht mir ein Richtungswechsel Angst? Ja. Ein klares Ja. Da braut sich direkt ein kleines Wirrwarr hinterm Brustbein zusammen. Ein wildes Durcheinander, das nicht ausbrechen kann.
Ist ein Richtungswechsel gleichbedeutend mit dem Gang ins Unbekannte? Was, wenn der Richtungswechsel eigentlich der Weg zu meinem wahren ich ist? Zu dem, wie ich eigentlich gedacht bin? Hin zu der Energie, die mit dem Zeitpunkt meiner Geburt für mich bestimmt ist? Dann müsste ich doch gar keine Angst haben oder mich gar fürchten, oder? Wenn ich all das abschüttle, was ich nur getan habe, um anderen zu gefallen. Um den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden. Wenn ich endlich nach meinem Willen lebe.
Ungewohnt ist das. Neu. Sorgenvoll. Mutig. Und ja, auch ängstlich, eben weil ich vierzig Jahre lang nicht 100% ich war. Weil ich gar nicht weiß, wie sich das anfühlt. Wie positiv verrückt bin ich denn wirklich, wenn nicht mehr darüber nachdenken, ob man dieses oder jenes machen darf? Was könnte ich alles schaffen und sehen, wenn ich mich nicht immer klein- und zurückhalten würde?
Die Welt könnte ich erobern. Reisen. Mich bewegen. Frei sein. Den Wind in meinen Haaren spüren.
Unendlich.
Ich sein.
Endlich.
Endl-ich!
Dieser Text sollte eigentlich ein Braindump werden, wurde aber irgendwie ein Blogartikel inspiriert von einer Libelle, die mit mir zusammen bei 29° im Garten weilte.
Wer oder was inspiriert dich? Schreib es gerne in die Kommentare 😉


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