Ich habe es einfach getan. Ich habe zweimal innerhalb von drei Tagen ein Konzert von Michael Patrick Kelly besucht. Wobei, so einfach war das gar nicht. Innere Kämpfe ohne Ende. Ja, nein Vielleicht? Am Ende wird es ein Ja mit vielen emotionalen Aufs und Abs.
Die Ausgangssituation
Ich wollte nach Hamburg und habe stattdessen Konzertkarten für Hannover geschenkt bekommen. Ganz weit hinten im obersten Rang, wo ich mir nie freiwillig Plätze aussuchen würde. Und dann noch in Begleitung meiner Mutti, die sich einfach dazu „eingeladen“ hat. Das ganze unter der Woche, so dass ich Urlaub nehmen und eine Unterkunft für eine Nacht buchen muss.
Das Konzert in Hamburg findet nur zwei Tage später auf einen Freitag statt. Ich könnte nachmittags hinfahren und nachts wieder nach Hause, weil keine eineinhalb Stunden entfernt.
So viele Ausreden, nicht nach Hamburg zu fahren
- Man kann doch nicht zweimal zum gleichen Konzert gehen. Das machen doch nur eingefleischte Fans und das bin ich doch nicht, oder?
- Dazu doppelte Kosten. Das Geld habe ich doch gerade gar nicht übrig.
- Und Karten gibt es ja auch gar nicht mehr da, wo ich sitzen möchte.
- Die halten mich doch für verrückt.
- Ich muss doch eigentlich Freitag noch voll arbeiten.
- Noch dazu bin ich gerade erst wieder zurück und bin dann abends schon wieder unterwegs. Das findet mein Partner bestimmt doof.
Nun mal Tacheles
Dass ich es mir leisten kann, ist schnell klar. Ein Wunscherfüller-Geldumschlag vom letzten Weihnachtsfest fiel mir just in der Konzertwoche in die Hände. Daran soll es also nicht scheitern.

Der größte Anstoß kommt aus der Therapiesitzung am Tag nach dem ersten Konzert: „Such doch einfach erstmal bei ebay nach Karten. Irgendwer möchte kurz vorher immer seine Karte loswerden.“
Wäre ich da alleine drauf gekommen? Niemals?
Gesagt, getan, gesucht – noch am selben Abend. Tatsächlich sind da Karten. Oje, und nun? Erstmal für mich alleine eine Nacht drüber schlafen. Am nächsten Morgen sind die Karten immer noch da. Hatte ich erwähnt, dass sie genau in dem Bereich sind, wo ich sitzen möchte? Zufall? Manifestation? Dazu ist die Karte, die Dagmar anbietet, auch noch um 15 € reduziert.
Es folgt der größte Kampf überhaupt. Traue ich mich, eine Nachricht an Dagmar zu formulieren? Möchte ich das wirklich?
Was sagt mein Partner dazu? Okay, ich erzähle ihm erstmal von der ganzen Idee.
Emotionale Aufs und Abs
Natürlich hat er sich den Abend anders vorgestellt, nachdem ich schon zwei Tage unterwegs war. Schön entspannt zu zweit auf der Couch, einen Film schauen, …
Oh Nein! Mein Rücksichtnahme-Autopilot springt an. Ich kann nicht fahren. Ich kann ihn nicht allein lassen.
Doch dann sagt er: „Mach das.“
Wie jetzt? Warum der Sinneswandel? Warum bestärkt er mich plötzlich? Meine Gefühle fahren Achterbahn. Die Tränen lassen sich vor lauter Überforderung nicht mehr aufhalten.
Mit Mühe und Not, überwinde ich mich, Dagmar anzuschreiben. Puh, geschafft.
Oh Gott, was habe ich getan?
Erst mal duschen. Die übermächtigen Emotionen wegspülen.
Dagmar antwortet nicht. Immer wieder schaue ich aufs Handy. Nichts. Drei ewig lange Stunden voller Zweifel. Was mache ich, wenn sie sich nicht meldet? Bestimmt arbeitet sie und kann gerade nicht aufs Handy sehen. Aber was, wenn die Karte schon weg ist? Doch jemand anderen anschreiben? Die sind aber alle teurer und wollen zwei Karten loswerden oder Karten weit weg von der Bühne.
Gerade habe ich mich überwunden, doch jemand anderes anzuschreiben, da meldet sie sich, die Dagmar. Und dann geht alles ganz schnell: Die Karte ist noch verfügbar, wir machen einen Übergabezeitpunkt aus, fertig. Ich habe eine Karte für den Abend. Für mich ganz allein. Im Innenraum. In der zweiten Blockreihe. Der Tag ist gerettet. Die Freude ist zurück.

Durchatmen und Zeichnen
Noch ein bisschen gearbeitet und dann reicht es auch. Lieber noch auf dem Balkon in der Sonne von dem ganzen Gefühlschaos erholen. Runter kommen. Zu mir kommen. Schreiben? Nein, zeichnen. Das hilft. Strich um Strich. Und ganz nebenbei schon mal überlegen, was ich denn abends anziehe.

FAZIT
Bin ich verrückt? Ja! Die verrückte Tante, die innerhalb von drei Tagen zweimal zum gleichen Konzert geht. Ist das schlimm? Nein! Absolut gar nicht. Ganz im Gegenteil: das bin ich!
Und rückblickend habe ich beide Konzerte genossen. Jedes hatte seinen eigenen Charme. Ich hatte einfach nur verschiedene „Brillen“ auf.
Danke für den Anstoß!
Danke für das Aushalten meiner Gefühle!
Danke für die Karte!


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