Und dann öffne ich die Tür und …

… es bleibt stockfinster. In meine Nase kriecht ein Hauch von feuchtem Waldgeruch. Will ich wirklich durch diese Tür gehen? Was erwartet mich außer Dunkelheit und Finsternis?

Ich kneife die Augen zusammen in der Hoffnung, den Ausgang zu entdecken. Ist da hinten links ein Licht? Da leuchtet doch etwas, oder? Wie ein Stern am Nachthimmel.

Zögerlich setze ich meinen Fuß in den Raum. Da ist keine Fliese oder Parkett oder Laminat. Es fühlt sich weich an, als würde ich im Wald auf Moos laufen. Moos? Wirklich? Allein die Vorstellung wäre schon cool … aber kann das wirklich sein?

Langsam gehe ich in die Hocke. Ich strecke meine rechte Hand aus, spreize die Finger, mache sie so steif es geht. Ich komme dem Boden immer näher und näher, bis ich auf Widerstand stoße. Sind das Grashalme? Dicht an dicht? Alle gleich lang als würde hier regelmäßig ein Mähroboter seine Bahnen ziehen?

Mit Daumen und Zeigefinger greife ich einen Halm und fahre von unten nach oben an ihm entlang. Er ist kaum dicker als ein Haar. Gras ist es dann wohl nicht. Am obersten Ende stocke ich. Da ist eine Verdickung. Im Vergleich zum Halm ganz schön dick. Und trotzdem irgendwie weich. Ich reibe es sanft zwischen Daumen und Zeigefinger. Es fühlt sich oval an. Vielleicht die Frucht eines Springkrauts? Nein, dafür ist es viel zu kurz. Und der Halm viel zu dünn.

Warum nur ist es so stockfinster? Ich kneife meine Augen erneut zusammen, in der Hoffnung doch etwas erkennen zu können. Doch das zarte Licht am anderen Ende des Raumes reicht nicht aus. Es bleibt schwarz zwischen meinen Fingern.

Ich streiche noch einmal mit der ganzen Hand über die dünnen Halme mit ihren Knospen. Hin und her und … eine Knospe verfängt sich an meinem Ring. Ich reiße sie ab. Ein Funke. Ein lauter Knall. Für einen Bruchteil einer Sekunde ist alles hell erleuchtet. Vor mir erstrahlt ein ewiges Moosfeld, während ich mit dem Rücken voran durch die Luft schleudere. Ein dumpfer Aufprall. Erst mein Rücken, dann mein Kopf. Dann ist es wieder dunkel. Und bleibt dunkel.

2 Antworten auf „Und dann öffne ich die Tür und …“

  1. Was für Knallpilze, was für ein Abenteuer.
    Hast du vorher ein Pilzgericht gegessen? Eines kleinen unscheinbaren Wiesenpilzen? Ich denke dann könnte es genau so passieren.
    Da du nichts anderes geschrieben hast, gehe ich davon aus, das Rücken und Kopf alles gut überstanden haben und wir uns morgen in der Wortwerft, zum munteren Wörterverstricken sehen.
    Bis dahin.
    Liebe Grüße Dirk

    1. Hallo Dirk,

      Pilze sind auch eine super Idee. Da habe ich nur leider wenig Erfahrung 😬 Moose auf meiner Dachterrasse scheinen aber genauso inspirierend zu sein 😅

      Rücken und Kopf sind wohlauf. Einem Wörterverstricken steht also nichts im Wege 😊

      Liebe Grüße,
      Maria

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