Sich selbst beobachten: Wie viel ist zu viel des Guten?

Aktualisiert am 23. November 2022

Neue Herausforderungen. In meinem Fall ein neuer Job. Zurück ins Angestelltenverhältnis. Wieder früh aufstehen. Dem Rhythmus eines anderen folgen. Diesen irgendwie mit meinem eigenen synchronisieren. Heute, am vierten Tag , habe ich es noch nicht geschafft. Immerhin klingelte der Wecker schon später als die ersten drei Tage. Somit wurde das späte Zubettgehen ein wenig ausgeglichen. Müde bin ich trotzdem. Der Hals fühlt sich kratzig an. Zu viel gesprochen? Das Falsche gegessen? Oder doch eine nahende Erkältung? Ich beobachte weiter. Doch wie viel mich selbst beobachten ist wirklich gut zu mir? Wann wird es zu viel? Wann muss, darf, sollte ich aufhören, alles zu hinterfragen?

Neue Gewohnheiten brauchen Zeit

Das Einführen neuer Gewohnheiten braucht seine Zeit. Die einen sagen 21 Tage, die anderen 60 Tage. Fakt ist, von heute auf morgen ändert man sich selbst und seine Gewohnheiten nicht. Stattdessen darf man sich gerade am Anfang die Zeit nehmen, sich selbst zu beobachten. Tut mir die Veränderung gut? Was macht sie mit mir? Wie wirkt sie auf meinen Körper, wie auf mein seelisches Wohlbefinden. Tue ich das nicht, woher will ich dann wissen, ob sich das Durchhalten lohnt? Vielleicht sollte ich lieber an der ein oder anderen Stelle nachjustieren?

Neue Herausforderungen mit agilen Arbeitsmethoden meistern?

In der Softwareentwicklung gibt es diverse agile Methoden. Sie alle haben gemein, dass man seine Gesamtzeit in Sprints von zwei bis vier Wochen unterteilt, sich für jeden Sprint zu einer Menge an Aufgaben committet und am Ende eines jeden Sprints prüft, wie ist es gelaufen, was wurde erledigt, was ist warum noch offen, an welcher Stelle muss nachjustiert werden. Dadurch arbeiten die Entwickler während des Sprints konzentriert an ihren Aufgaben. Erst beim Übergang vom bisherigen zum nächsten Sprint erfolgt die Rückschau und Bewertung. Warum übernehme ich dies nicht für mich?

Gerade am Anfang, wenn viel Neues auf einen einprasselt, kann man die Sprints kürzer definieren. Für neue Herausforderungen, wie einen Jobwechsel, bietet sich da eine Arbeitswoche perfekt an. Ich überlege mir also, wann stehe ich auf, was erledige ich vor der Arbeit, was muss ich unbedingt nach Feierabend tun, wie viel Entspannung brauche ich und committe mich so zu einem Wochenablauf.

Rückblickend bewerten

Erst am Ende der Woche setze ich mich noch einmal hin und sehe mir im Detail an, wie es gelaufen ist. Welche Abläufe haben gut funktioniert? Zu welchen Zeiten war ich ausgelaugt? Wie viel habe ich nicht geschafft? Was muss ich verändern? Was darf bleiben? Dies nimmt den Druck, jeden Tag das Optimum herauszuholen.

Dieser Schritt, diese Auswertung, diese Rückschau auf die Woche muss nicht ewig dauern. Die ominösen fünf Minuten können schon ausreichen. Eine halbe Stunde mag jedoch realistischer sein. Hinsetzen, alles um einen herum abschalten, durchatmen, die Woche Revue passieren lassen und erst dann bewerten. Vielleicht hilft zusätzlich ein Happiness-Diagramm um die Gesamtstimmung der Woche einzufangen. Und vielleicht sieht man dann, „ach so schlimm war es gar nicht“.

Fazit

Sichtbar machen. Sich selbst und seine Gewohnheiten. Sich bewusst die Zeit nehmen. Aber nicht jeden Tag rund um die Uhr, sonst machen wir uns verrückt. Laufen einer Idee nach der anderen hinterher. Sind immer unzufrieden, weil immer irgendetwas da ist, was nicht passt. Deswegen lieber den Druck herausnehmen und nur zu bestimmten Zeiten zurücksehen. Bei einem Monats- oder Zyklusrückblick beobachten wir uns ja auch nicht jeden Tag 😉

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